Auf dem Großen Hörselberg versorgt ein Förderverein Besucher an Wochenenden und Feiertagen - ehrenamtlich. Der Vereinsvorsitzende Tino Merbach wurde stellvertretend als Thüringer des Monats ausgezeichnet.
Sie backen und braten, bauen und räumen - die Mitglieder des Fördervereins Großer Hörselberg sorgen dafür, dass die Gebäude auf dem touristischen Anziehungspunkt in Schuss sind und die Gäste an Wochenenden und Feiertagen mit Essen und Trinken versorgt werden. Viel Arbeit, die vollständig ehrenamtlich geleistet wird. Dafür wurde der Verein jetzt von MDR THÜRINGEN und der Thüringer Ehrenamtsstiftung gewürdigt, stellvertretend erhielt der Vorsitzende Tino Merbach die Auszeichnung als Thüringer des Monats September.
Die Septembersonne strahlt, vor dem Hörselberghaus spielen Alphornbläser, an den Tischen im Freien sitzen zahlreiche Gäste. Sie genießen den Panoramablick über den Thüringer Wald, aber auch Essen und Getränke aus der Tannhäuser-Hütte unterhalb des Gasthauses. Dort gibt es Gebratenes, Softeis, selbstgebackene Kuchen sowie heiße und kalte Getränke.
Vor einem Jahr wäre das nicht möglich gewesen, da hatte der letzte Betreiber des Hörselberghauses gerade aufgegeben. Er war nicht der Erste. Immer wieder wechselten die Wirte oben auf dem Berg. Tino Merbach, der Ortsteilbürgermeister von Hastrungsfeld-Burla, hatte das schon länger verfolgt - bis letztes Jahr.
"Da habe ich für mich gesagt, jetzt wird es Zeit, dass wir das Ruder in die Hand nehmen. Wir gründen einfach einen Förderverein." Es gab viele Gleichgesinnte in den Orten ringsherum, die dem Hörselberg, ihrem markanten Hausberg, seit Kindertagen verbunden sind. So wurde der Förderverein gegründet, ein Pachtvertrag mit der Gemeinde abgeschlossen. "Mittlerweile sind wir nicht ein Verein, ich würde sagen, wir sind eine Familie geworden."
Viel Arbeit für die Vereinsmitglieder
Für die 23 Vereinsmitglieder gibt es viel zu tun. Seit Jahresbeginn stemmen sie die gastronomische Versorgung an Wochenenden und Feiertagen. Im Winter im Gasthaus, im Sommer in der Tannhäuserhütte mit Biergarten, alles im Ehrenamt.
"Das, was wir in der Gastronomie erzielen, fließt eins zu eins in die Baumaßnahmen", sagt Tino Merbach. Sie halten die Gebäude in Ordnung, pflegen die Außenanlagen. Im Moment bauen sie an einer barrierefreien Toilette. Allein in dieser Woche gab es dort drei Arbeitseinsätze, sagt Merbach, zum Teil bis in die Nacht.
Von den Besuchern wird das Engagement durchaus wahrgenommen. Die Gastronomie auf dem Berg sei ihnen sehr wichtig, erzählt ein Paar mit zwei Kindern. "Wir kommen aus Sättelstädt, das ist unser Hausberg. Wir haben uns sehr gefreut, dass wieder Leute hier oben etwas machen - und es ist immer schön", sagt die Frau und der Mann ergänzt: "Dass die das alles hier ehrenamtlich betreiben, davor ziehen wir den Hut!"
Auch andere Gäste stimmen dem zu. Und es schmecke auch gut, erzählt eine Frau: "Sehr gutes Eis, schöner selbstgebackener Kuchen, Bratwurst, Rostbrätel - was der Thüringer gern isst!" "Wir hoffen, dass das lange bleibt", wünscht sich ein älteres Paar.
Tourismusziel mit großem Engagement wiederbelebt
Udo König stammt vom Fuß des Hörselbergs und wohnt jetzt in Bad Langensalza. Er habe gesehen, wie der Berg in den letzten Jahren gelitten habe, sagt er, dass das Gasthaus zuletzt nicht mehr bewirtschaftet wurde.
"Und auf einmal macht sich dieser Förderverein auf unter Tino Merbach und hier geht es vorwärts. Hier wird gebaut und renoviert. Es ist sicherlich keine professionelle Gastronomie - aber es ist eine Gastronomie der Herzlichkeit."
Deshalb hat König den Förderverein für die Ehrenamts-Auszeichnung "Thüringer des Monats" vorgeschlagen, die seit vielen Jahren gemeinsam von MDR THÜRINGEN und der Thüringer Ehrenamtsstiftung verliehen wird. Mit Erfolg: Tino Merbach wird stellvertretend für den Verein als Thüringer des Monats September gewürdigt.
Es sei gelungen, mit großem Engagement ein schönes Tourismusziel wiederzubeleben, so Lutz Gerlach, der Projektverantwortliche von MDR THÜRINGEN. Niels Lange von der Ehrenamtsstiftung stellt fest, dass das Freizeitangebot in der Region auf Ehrenamt beruht. "Ohne Leute wie sie würde es nicht funktionieren", sagt er und gratuliert zum Titel.
Von Auszeichnung überrascht und gerührt
Tino Merbach, der von der Auszeichnung überrascht wird, ist gerührt und kurz sprachlos. Dann stellt er klar: "Ich sehe uns als Gesamtes, nicht mich als Einzelperson. Ohne Euch ist das alles nichts", sagt er in Richtung seiner Mitstreiter.
Es gibt Beifall, Urkunden, ein Digitalradio und einen symbolischen Scheck über 500 Euro - für die Bauarbeiten, freut sich Merbach, werde das dringend benötigt,.
Herzblut bringen sie alle mit, sagen die Vereinsdamen hinter der Theke in der Tannhäuserhütte. Aber sie finden schon, dass ihr Vorsitzender eine besondere Rolle hat: "Er ist der Kopf, er lenkt und leitet uns an - und macht uns immer wieder Mut, dass wir weitermachen." "Sicher braucht er uns", sagt eine andere. "Aber Tinos Tatendrang reißt uns mit."
Quelle: MDR Thüringen
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