Er sorgt für Leben in Judenbach: Jens Kaufmann ist Thüringer des Monats Oktober

Wenn es um seine Heimat Judenbach geht, hängt sich Jens Kaufmann richtig rein. Als der Supermarkt im Ort schloss, eröffnete er kurzerhand einen Dorfladen. Engagiert ist er übrigens schon seit Teenager-Zeiten: Mit 13 Jahren hat er einen Jugendklub gegründet und Konzerte organisiert. Heute steht er an der Spitze des Vereins "Dorfleben Judenbach". Dafür ist er unser Thüringer des Monats Oktober.

"Es gibt Menschen, die sich beklagen, die nur reden oder die schlicht alles hinnehmen und aufgeben. Und es gibt Menschen, die machen. Jens Kaufmann ist so ein Macher." Mit diesen Worten hat Lisa Tomschke aus Judenbach bei Sonneberg ihren Vorschlag an die Thüringer Ehrenamtsstiftung eingeleitet. Wer, wenn nicht er, sollte Thüringer des Monats Oktober werden? Jens Kaufmann ist es geworden. Ein Hans Dampf in allen Gassen.

Wir treffen Jens Kaufmann im Dorfladen von Judenbach. Als vor drei Jahren der einzige Supermarkt im Ort dichtgemacht hat, war Kaufmann zur Stelle und wurde Kaufmann im wahrsten Sinne des Wortes. Gerade dekoriert er in dem Einkaufsmarkt ein bisschen für Halloween um. Er drapiert große schwarze Spinnen auf das Regal und schüttet Süßigkeiten in einen großen bemalten Karton.

"Das ist unser Monster", sagt Jens und lacht. "Alle Kinder - wenn sie sich trauen - dürfen dann in sein Maul fassen und sich was Süßes rausholen", erklärt er. Der Dorfladen sei eben mehr als nur ein Laden. Vergangene Woche beispielsweise war Weinverkostung, nächsten Monat wird Bier gekostet.

Drei Jahre Lehrgeld
"Wir haben jetzt drei Jahre gebraucht, um da zu sein, wo wir jetzt sind. Da war unheimlich viel Lehrgeld zu zahlen, besonders, was die Leute eben kaufen wollen oder was auch nicht, das muss man erst mal wissen. Und dann bekommt man ein Gefühl dafür, dass es eine Mischung sein muss aus allem.

Die wollen auf der einen Seite günstige Discounter-Waren, auf der anderen Seite wollen sie was Lokales. Deshalb haben wir so ein stark gemischtes Sortiment aus normalen Supermarktwaren bis hin zu kleinen lokalen Anbietern."

Unternehmen mit ehrenamtlichem Chef
Der Dorfladen läuft als Unternehmen, Jens Kaufmann ist der Geschäftsführer. Er zahlt sich aber kein Geld aus. Denn noch schreibt der Laden keine schwarzen Zahlen. "Es ist ein ganz normales Einzelunternehmen mit mir als Inhaber. Ich trage das volle Risiko. Sowohl auf der Investitionsseite als auch auf der Verlustseite oder im besten Fall natürlich auch beim Gewinn. Aber der bleibt hier, die Investitionen müssen ja erstmal refinanziert werden."

Rund 150.000 Euro hat Kaufmann, der hauptberuflich eine Werbeagentur betreibt, in den Laden bisher gesteckt. Etwas Fördergeld gab es auch vom Land. Über das Programm für Kleinstunternehmer der Grundversorgung. Eins ist klar, ohne Kaufmann würde es den Laden in Judenbach nicht geben.

Jugendklub mit 13 Jahren
Und auch nicht den Jugendklub. Den hat er als 13-Jähriger kurzerhand mit seinen Freunden selbst gegründet. "Ohne es zu wissen, war dies sein erstes ehrenamtliches Engagement, das Judenbach nachhaltig verändert und um einen Treffpunkt für Jugendliche bereichert hat", so Lisa Tomschke weiter in ihrer Bewerbung.

Als im Dorf für Jugendliche kaum noch was los war, organisierte er Bandcontests und gründete das Festival "Rock gegen Gewalt", das von 2000 bis 2010 junge Menschen aus der Region zusammenbrachte.

Heute ist Jens Kaufmann 42 Jahre alt und man fragt sich, ob seine Tage mehr als 24 Stunden haben. Um im Dorf was voranzubringen, gründete er den Verein Dorfleben Judenbach. Inzwischen hat er über 100 Mitstreiterinnen und Mitstreiter mitgerissen. Im Verein gibt es 15 verschiedene Arbeitsgemeinschaften. Die Mitglieder kümmern sich um Wanderwege, Gemeinschaftshütten, Sitzgelegenheiten, Gedenkorte und jede Menge Veranstaltungen.

"Jens ist einfach immer da, auf den kannst du zählen", sagt Lisa Kunz. Kunz ist im Hundesportverein aktiv. "Manchmal frag ich mich, wie er das alles schafft. Ich ziehe meinen Hut vor ihm, wirklich."

Jens ist der ganze Rummel fast schon ein bisschen viel. "Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll", bringt er gerade so heraus. Denn eigentlich ist das, was er tut, für ihn irgendwie normal. "Judenbach ist meine Heimat und ich möchte, dass dieser Ort lebenswert ist." Aus diesem Grund wird er auch nicht aufhören, beispielsweise um den Erhalt der Grundschule im Dorf zu kämpfen. Als der Kreistag Sonneberg den neuen Schulnetzplan beschließen wollte, hat Kaufmann in einer Nacht- und Nebelaktion eine Bürgerinitiative gegründet. Nur wegen des massiven Protestes hat die Schule noch mal einen Aufschub bekommen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

„Jens ist einfach immer da, auf den kannst du zählen.“
— Lisa Kunz

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