Thüringer*in des Monats

Menschen, die sich in Thüringen – kurz und nachhaltig oder mit viel Ausdauer – für Menschen oder Tiere, für Natur, Kultur oder in vielen anderen Bereichen engagieren, sollen ein Gesicht erhalten. In einer gemeinsamen Aktion von MDR Thüringen und der Thüringer Ehrenamtsstiftung soll ihnen mit der Auszeichnung „Thüringer des Monats“ in besonderer Weise gedankt werden.

Detlef Schmidt vom THW-Ortsverband Nordhausen ist unser Thüringer des Monats Januar 2024

Der 53-jährige Familienvater hat Weihnachten sieben Tage und Nächte lang den Einsatz des Technischen Hilfswerks während des Hochwassers an der Helme in Sundhausen und Windehausen geleitet. 

Stellvertretend für die vielen freiwilligen Helferinnen und Helfer, die an der Helme, Wipper und Zorge, der Nahe, Schleuse und Werra oder auch an der Unstrut und der Weißen Elster im Einsatz waren, haben wir Detlef Schmidt vom THW-Ortsverband Nordhausen gemeinsam mit der Thüringer Ehrenamtsstiftung ausgezeichnet.

Weihnachtshochwasser verlangt allen alles ab
Seit zehn Jahren leitet Detlef Schmidt den Nordhäuser Ortsverband des THW. Das Weihnachtshochwasser 2023 war der bisher längste und aufwändigste Einsatz für ihn und die Kameradinnen und Kameraden im eigenen Kreisgebiet.

Der gelernte Zimmermann und studierte Architekt engagiert sich gemeinsam mit seinem Sohn Felix (THW-Jugend) bei den "blauen" Helfern. Sie werden von Tochter Fenja und Ehefrau Anne-Kristin im Hintergrund unterstützt. Zum Beispiel haben sie für die Helferinnen und Helfer zu Weihnachten einen großen Topf Suppe gekocht.
Die Freude und den Dank für die überraschende Auszeichnung teilt Detlef Schmidt mit seinen Kameradinnen und Kameraden, von denen zu Weihnachten stets 25 bis 30 mit im Einsatz waren. Er wisse es zu schätzen, sagt er, dass sie immer wieder verlässlich bereit sind, ihre Freizeit für die Arbeit im THW einzusetzen, sogar zum Weihnachtsfest. "Danke an Euch und die ganzen 'Blauen', die immer dabei sind und natürlich an die anderen Helferinnen und Helfer, die zusammenstehen in solchen Katastrophen." 

Weihnachten im Katastrophen-Einsatz
Am Samstag vor Heiligabend waren sie alarmiert worden, zunächst wegen des Hochwassers im Nordhäuser Ortsteil Sundhausen. Das bedeutete für sie: Weihnachten nicht bei der Familie, sondern im Einsatz zu sein. Es war für ihn das erste Weihnachtsfest, an dem er nicht in einer Kirche war. Selbst seinen 53. Geburtstag hatte Detlef Schmidt mitten in diesem Einsatz. 

Ganz Windehausen war ein See
Hoffnung dann am ersten Weihnachtstag kurz vor Mittag: In Sundhausen ging der Pegelstand zurück, der Einsatz dort konnte beendet werden. Keine halbe Stunde später wurde das THW erneut alarmiert. Jetzt stand Windehausen, ein Ortsteil der Landgemeinde Stadt Heringen/Helme, unter Wasser und sollte schnellstmöglich evakuiert werden.
Wegen eines stark angestiegenen Grundwasserpegels funktionierte die Abwasserentsorgung der Häuser nicht mehr und der Strom musste zur Sicherheit abgeschaltet werden. "Das ganz Dorf war eigentlich nur noch ein riesen See", erinnert sich Detlef Schmidt, "es waren keine Straßen mehr erkennbar, das Wasser stand bis zu 1,60 Meter hoch."
Die THW-Ortsverbände Rudolstadt/Saalfeld, Sondershausen und Apolda kamen zur Unterstützung. Unter anderem mit einer Großpumpe, mit der binnen weniger Stunden rund 3,5 Millionen Liter Wasser aus dem Ort auf anliegende Felder gepumpt werden konnten.

Solidarität und Einsatz für die anderen
Für Barbara Rinke von der Thüringer Ehrenamtsstiftung ist Detlef Schmidt "das Gesicht für diesen wichtigen Einsatz". Das zeige: "In Zeiten, wo in Deutschland an vielen Stellen Unzufriedenheit herrscht, wenn es darauf ankommt, dann ist bei uns in Stadt und Landkreis Solidarität angesagt. Und dafür steht Ihr. Das finde ich ganz wunderbar, dass wir uns dann alle miteinander unterhaken und dann wird geholfen. - Ihr wart gut vorbereitet und dann konnte es losgehen, als es darauf ankam."

Ruhe im großen Chaos ausstrahlen
Auch Nordhausens Landrat Matthias Jendricke (SPD) und der Bürgermeister von Heringen/Helme, Matthias Marquardt (Linke), gratulierten Detlef Schmidt persönlich zur Auszeichnung als "Thüringer des Monats". "Der ganze Ort stand unter Wasser und wir hätten das alles nicht meistern können ohne Eure THW-Strukturen", sagt der Landrat.

Bürgermeister Marquardt bedankte sich herzlich für die gute Zusammenarbeit im Krisenstab und für die Ruhe, die Detlef Schmidt beim Koordinieren ausgestrahlt habe, während für ihn aus der Sicht des Bürgermeisters ein großes Chaos geherrscht habe. Und er konnte auch schon wieder scherzen: "Wenn mal wieder sowas ist, dann bitte mit Ihnen." 

Weihnachtsbäume schwimmen in den Häusern umher
Darauf würde Detlef Schmidt wohl doch lieber verzichten, denn neben Konzentration und Anspannung im Einsatz hatten die Helfer auch ein komisches Gefühl, sagt er: "Wenn Sie in die Häuser reingeschaut haben, dann schwamm da vielleicht ein Weihnachtsbaum oder auch Geschenke. Es waren keine Menschen da, alles war verlassen. Das ging auch ans Herz, wenn man das sieht."
Am 29. Dezember 2023 war der Einsatz beendet, noch drei weitere Tage zum Reinigen und wieder Herrichten der Technik folgten. Auch nach diesem für alle außergewöhnlichen Einsatz ist und bleibt für Detlef Schmidt sein Ehrenamt eine Überzeugung: "Es ist eine innere Einstellung, helfen zu können", sagt er, und dazu gehöre als Motivation immer "auch die Dankbarkeit, die zurückkommt." 

Text: MDR Thüringen

In Zeiten, wo in Deutschland an vielen Stellen Unzufriedenheit herrscht, wenn es darauf ankommt, dann ist bei uns in Stadt und Landkreis Solidarität angesagt
— Barbara Rinke, Vorständin der Thüringer Ehrenamtsstiftung

Im Dezember eines jeden Jahres werden aus den zwölf Thüringern des Monats von den Hörern von MDR THÜRINGEN, den Zuschauern des MDR THÜRINGEN JOURNAL sowie den Nutzern von MDR.DE der/die "Thüringer:in des Jahres" gewählt.

Jeder Thüringer des Monats erhält ein Preisgeld von 500 € und eine öffentliche Würdigung. Aus allen Thüringern des Monats wird im Dezember dann per Online-Voting der „Thüringer des Jahres“ gewählt. An den ersten Platz gehen dann nochmals 2.000 €, der zweite Platz erhält 1.500 € und der dritte Platz darf sich über weitere 1.000 € freuen. Mitmachen lohnt sich also in jedem Fall!


Ihren Vorschlag für die monatlich stattfindenden Würdigungen können Sie hier einreichen: 

Mitteldeutscher Rundfunk - Landesfunkhaus Thüringen
Gothaer Straße 36, 99094 Erfurt
Telefon: 0361/218-1616 
E-Mail: mdr1-radio-thueringen@mdr.de 

oder an

Thüringer Ehrenamtsstiftung
Löberwallgraben 8, 99096 Erfurt