Kerstin Guttmann aus Bad Tabarz ist unsere Thüringerin des Monats Juli. Die 65-jährige Krankenschwester engagiert sich ehrenamtlich in einem Hospital für an Lepra erkrankte Menschen im ostafrikanischen Tansania. Außerdem ist sie seit über drei Jahrzehnten ebenfalls im Ehrenamt in der Notfallseelsorge aktiv.
Schon in der vierten Klasse stand für Kerstin Guttmann fest: "Ich will Krankenschwester werden", erzählt sie. Und ihr zweiter Wunsch lautete: "Ich möchte einmal in Afrika in einem Krankenhaus arbeiten." So wie Albert Schweitzer – sie hatte gerade ein Buch über ihn gelesen.
Afrika musste bis 2008 warten, zu DDR-Zeiten war das Arbeiten dort für die gebürtige Hallenserin nicht möglich. Ein Health-Center in Gambia war ihre erste Station. Die Dankbarkeit, die Lebensfreude, die Geduld und der Optimismus der Menschen dort hätten sie tief berührt, sagt sie.
Kontakt über die Chefin zum Tansaniahilfeverein
Vor zehn Jahren kam Kerstin Guttmann nach Thüringen, lebt in Bad Tabarz im Landkreis Gotha und arbeitet in einer Betriebsarztpraxis eines großen Unternehmens in Eisenach. Über ihre Chefin kam der Kontakt zum Verein Tansaniahilfe Erfurt zustande.
Der Verein hat derzeit knapp 30 Mitglieder. Viele von ihnen kümmern sich auch persönlich vor Ort um verschiedene Projekte. "Kerstin Guttmann hat sich von allen das schwierigste Projekt ausgesucht", sagt Betriebsärztin Cornelia Galbas, die ebenfalls in dem Verein aktiv ist. "Wir kümmern uns um Brunnenbau, Kindergärten, helfen in einem Krankenhaus… Sie engagiert sich in einem Zentrum für an Lepra erkrankte Menschen."
Das Hospital in Ifakara, einer Stadt mit etwa so vielen Einwohnern wie Erfurt, ist das einzige im ganzen Land. Die Bad Tabarzerin weiß, dass Erkrankte bereits einen Tag nach der Einnahme der gegen Lepra wirksamen Medizin nicht mehr ansteckend sind. Sie hat deshalb keine Angst, die Menschen zu berühren, zu umarmen. "Ich habe gemerkt, dass man den Menschen so viel geben kann, einfach dadurch, dass man sie auf Augenhöhe wahrnimmt und durch diese Berührungen, die sie nicht gewöhnt sind."
Neue Hygiene-Standards durch Spenden möglich
Kerstin Guttmann berichtet zu Hause über ihre Arbeit in Ifakara. Mit ihren Vorträgen generiert sie Spenden, die vor Ort ganz wichtig sind. Ein Pharma-Unternehmen bezahlt die Medikamente gegen Lepra, ansonsten erhalten die Erkrankten und ihre Familien keinerlei Unterstützung. Mit dem Verein und den Spendengeldern konnten ganz viele neue Matratzen für die Patienten angeschafft werden. Die alten waren so löchrig, dass man gar nicht mehr darin liegen konnte.
Wichtig sind auch Moskitonetze zum Schutz vor Malaria. Eine neue Wasserleitung wurde gebaut. Medizinische Instrumente, Medikamente und Verbandsmaterial schöpfen regelmäßig das Höchstgewicht des Reisegepäcks aus. Das nächste Vorhaben ist ein neuer OP-Tisch. Sein Vorgänger ist so alt wie das gesamte Krankenhaus, stammt aus den 1960er-Jahren, ist verrostet, aus ergonomischer und hygienischer Sicht nicht mehr verwendbar. Wenn es um handwerkliche Belange geht, bekommt Kerstin Guttmann vor Ort auch Unterstützung von ihrem Mann Michael.
Drei Zwölf-Stunden-Schichten in der Notfallseelsorge
Als gelernte Krankenschwester hat Kerstin Guttmann 15 Jahre lang im Rettungsdienst gearbeitet. Dabei waren ihr Lücken im Hilfesystem aufgefallen: Während die Retter sich nach Unfällen oder bei akuten Notfällen um die verletzten oder schwer erkrankten Menschen kümmerten, blieben oft Angehörige in Sorge und allein zurück. Deshalb engagiert sie sich ehrenamtlich seit mehr als 30 Jahren in der Notfallseelsorge, die vom Rettungsdienst bei Bedarf angefordert werden kann, um Angehörige zu betreuen.
Etwa drei Zwölf-Stunden-Schichten pro Monat ist sie für dieses vom Kirchenkreis Gotha organisierte Angebot im ganzen Landkreis unentgeltlich im Einsatz. Für ihren Heimatort Bad Tabarz ist sie zur Zeit mit anderen Engagierten im Gespräch, um die psychologische Hilfe auch unabhängig vom Rettungsdienst für in Trauma-Situationen geratene Menschen anbieten zu können. Damit ist klar: auch wenn Kerstin Guttmann ihre berufliche Arbeit in Eisenach in absehbarer Zeit beenden wird, wird ihr Alltag weiter ausgefüllt sein von den ehrenamtlichen Projekten.
Im Dezember eines jeden Jahres werden aus den zwölf Thüringern des Monats von den Hörern von MDR THÜRINGEN, den Zuschauern des MDR THÜRINGEN JOURNAL sowie den Nutzern von MDR.DE der/die "Thüringer:in des Jahres" gewählt.
Jeder Thüringer des Monats erhält ein Preisgeld von 500 € und eine öffentliche Würdigung. Aus allen Thüringern des Monats wird im Dezember dann per Online-Voting der „Thüringer des Jahres“ gewählt. An den ersten Platz gehen dann nochmals 2.000 €, der zweite Platz erhält 1.500 € und der dritte Platz darf sich über weitere 1.000 € freuen. Mitmachen lohnt sich also in jedem Fall!
Ihren Vorschlag für die monatlich stattfindenden Würdigungen können Sie hier einreichen:
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