Thüringer des Monats

30.09.2019 09:25

Gerlinde Rusch aus Elgersburg im Ilm-Kreis ist unsere Thüringerin des Monats September.

Die Thüringer Ehrenamtsstiftung und MDR THÜRINGEN haben Gerlinde Rusch dafür ausgezeichnet, dass sie seit 40 Jahren in ihren Kursen eine besondere Handwerkskunst vermittelt und pflegt: das Klöppeln. Das Klöppeln hat die gelernte Feinmechanikerin von ihrem Studium an der Kunstfachhochschule im sächsischen Schneeberg mit nach Thüringen gebracht. Ihr ging es aber nicht um das traditionelle Klöppeln von Deckchen oder Kragen. Sie hat diese schwierig zu erlernende Handarbeit weiterentwickelt.

Handwerkskunst: Gerlinde Rusch gibt ihr Klöppel-Wissen weiter

Seit rund 40 Jahren gibt Gerlinde Rusch jetzt Kurse im Klöppeln - in Ilmenau, Meiningen und Erfurt. Etwa 300 Hobby-Textilgestalterinnen und -gestalter hat sie in dieser Zeit betreut und ihnen die Arbeit nach eigenen Ideen statt vorgegebenen Mustern sowie mit besonderen Materialien wie Draht, Holzfasern oder Recycling-Stoffen beigebracht.

In den Künstlerwerkstätten im Norden der Landeshauptstadt, wo sich die Erfurter Klöppelgruppe regelmäßig trifft, sind zum Beispiel ein großflächiger geklöppelter Fingerabdruck als Wand-Relief und kleine geklöppelte Draht-Pyramiden zu bestaunen.

 

                                                    

Internationale Preise und Anregungen fürs Klöppeln

Mit solchen Kunstwerken haben Gerlinde Rusch und die Mitglieder ihrer Gruppe auf nationalen und internationalen Wettbewerben schon einige Preise gewonnen. Auf vielen Reisen durch ganz Europa holen sie sich immer neue Anregungen. Denn geklöppelt wird nicht nur im sächsischen Erzgebirge, sondern zum Beispiel auch in Belgien, Polen, Tschechien, Finnland und der Schweiz.

Viele der Mitglieder in den Klöppelkursen von Gerlinde Rusch sind schon lange dabei. Edelgard Wiegand aus Kleinmölsen klöppelt seit 1984 mit. Sie sagt: "Unsere Gruppe passt so gut zusammen und Gerlinde lässt uns alle unsere eigene Handschrift machen. Das ist schön, dass sie nicht bestimmt, sondern uns frei laufen lässt und uns nur berät." Mit Ideen immer wieder einen neuen Anstoß geben, das ist es, was Gerlinde Rusch will. Und Ideen hat sie genug. Besonders freut sie, dass sich auch zwei über 90- jährige Klöpplerinnen auf das freie Gestalten einlassen: Ursula Böttcher (95) und Irmgard Wuttke (94). Sie sind jetzt Ehrengäste bei den Kursen. "Wir kommen gern her, das isses", sagt Irmgard Wuttke.

Gerlinde Rusch investiert ganz viel Zeit in ihre Kurse und wird dabei von ihrem Mann unterstützt. "Er ist auch mein erster Begutachter, wenn ich etwas Neues gemacht habe", sagt sie. Und ihre beiden Enkelinnen - zehnjährige Zwillingsmädchen - haben auch schon Klöppeln gelernt. Das ist längst nicht so einfach wie Stricken oder Häkeln. "Man muss ein Jahr lang intensiv üben und dabei bleiben", sagt Gerlinde Rusch.

Künftig wünscht sich die 64-Jährige wieder etwas mehr Zeit für ihre eigenen Arbeiten und sie weiß: Klöppeln hält fit - bis ins hohe Alter - weil es die Fingerfertigkeit schult, das Denken und die Fantasie anregt. "Ich hab' da so ein Vorbild", sagt sie. "Meine Mentorin ist jetzt 98. Die arbeitet immer noch, jeden Tag eine halbe Stunde."