Thüringer des Monats Juli 2012

27.07.2012 13:54

Siegfried Neumann aus Dornheim bei Arnstadt ist unser Thüringer des Monats Juli 2012.

Foto:mdr

Der heute 72-Jährige hatte 1996 den Freundeskreis zur Erhaltung der Traukirche Johann Sebastian Bachs mit gegründet und leitet seitdem mit viel Engagement den gemeinnützigen Verein.

Im Inneren ist die mittelalterliche Kirche St. Bartholomäus, in der Bach im Herbst 1707 seine Frau Maria Barbara heiratete, längst wieder ein Kleinod. Hochzeitspaare aus aller Welt – aus Frankreich, der Schweiz, Japan, den USA und Australien lassen sich hier trauen. Auch das Pfarrhaus hat der Freundeskreis saniert und noch ein kleines Bach-Café daneben eingerichtet. Den Kirchturm umhüllt zur Zeit ein Gerüst. Dank der vom Verein gesammelten Spendengelder wird er jetzt in die Kur genommen.

1996 war das Gotteshaus in einem erbarmungswürdigen Zustand: das Dachgewölbe und die hölzernen Emporen waren fast zerstört, es hat hineingeregnet und geschneit, das Wasser lief die Wände hinunter. 35 Freunde der Kirche hatten sich daraufhin spontan zusammengefunden, heute hat der Verein 184 Mitglieder. Von ihnen kommen 85 aus dem Dorf, die übrigen aus ganz Deutschland, aus Österreich und Holland. Sogar der komplette Johann-Sebastian-Bach-Kammerchor Yokohama in Japan ist Mitglied und spendet jedes Jahr die Einnahmen aus Benefizkonzerten.

Siegfried Neumann freut sich darüber, dass die Bereitschaft im Dorf, für die Kirche etwas zu tun, ununterbrochen da ist. Die Arbeit habe sich auch positiv auf das dörfliche Gemeinschaftsleben ausgewirkt. Seit einigen Jahren gibt es Weihnachtsmärkte und regelmäßig Konzerte in der Kirche. Wenn Busse mit Reisegruppen vorfahren, dann steht Siegfried Neumann als ehrenamtlicher Fremdenführer schon bereit und erzählt gern die ganze Geschichte – von Bachs Hochzeit bis zur Rettung der Kirche in den Jahren nach der Wende. Besonders stolz zeigt er dann auch den Trödelmarkt in einem Raum des alten Pfarrhauses. Er ist vor drei Jahren aus Sachspenden der Dornheimer entstanden. Touristen kaufen hier gern ein paar Erinnerungsstücke, die Regale werden aber immer wieder gut gefüllt. Allein auf diese Weise sind schon mehr als 18-tausend Euro für die Kirche zusammengekommen.

Siegfried Neumann sagt, er könnte ohne diese Arbeit gar nicht mehr sein. Ihn beeindruckt vor allen Dingen, dass in den 16 Jahren seit Beginn noch niemand von seinen Mitstreitern abgesprungen ist. Die neue Dornheimer Pfarrerin Cornelia Engelke sieht die Arbeit des Vereins als Lebensader für die Gemeinde. Es sei auch ein gutes Beispiel für andere Dorfgemeinden: Ehrenamtliches Engagement ist wichtig, um das kirchliche Leben in den kleinen Orten aufrecht zu erhalten.