Ehrenamtswürdigung im Altenburger Land

17.10.2014 14:27

Die "Ostthüringer Zeitung" berichtet: Fünf Ehrenamtszertifikate und 25 Goldene Ehrennadeln in Altenburg verliehen / Spontane Spende für Flüchtlingshilfe

Altenburg. Sie leben in Altenburg oder Zehma, in Ponitz oder Meuselwitz und sie haben alle eine Gemeinsamkeit: Sie engagieren sich in ihrer Freizeit für andere. Und dafür wurden diese 30 Frauen und Männer am Dienstagabend im Landschaftssaal des Altenburger Landratsamtes mit der Goldenen Ehrennadel des Landkreises oder mit dem Ehrenamtszertifikat der Thüringer Ehrenamtsstiftung ausgezeichnet.

"Dreißig Beispiele, die das vielfältige Spektrum ehrenamtlichen Engagements widerspiegeln", sagte Landrätin Michaele Sojka (Die Linke) zu Beginn der Veranstaltung. Ein buntes Spektrum zugleich, auf das der gesamte Landkreis stolz sein könne. 800 eingetragene Vereine zähle das Altenburger Land. "All jene, die sich da engagieren, tragen dazu bei, dass das Leben hier nicht ärmer wird, sondern immer bunter", so die Kreischefin.

Sojka machte zugleich auf das demografische Problem aufmerksam, das auch Vereine ­lösen müssen im Altenburger Land. Junge Menschen für das Ehrenamt zu begeistern, das sei die Aufgabe. Keine unmögliche, wie sie findet. Als Beispiel nannte sie Marcel Greunke, dessen Engagement als ehrenamtlicher Bürgermeister von Ponitz jetzt mit dem Thüringer Engagement-Preis 2014 gewürdigt worden ist. Die Thüringer Ehrenamtsstiftung vergab die Auszeichnung am vergangenen Freitag in Erfurt. Der 26-Jährige, so die Landrätin weiter, engagiere sich seit 13 Jahren in Ponitz und für die Gemeinde. 2012 wurde er zum Bürgermeister gewählt. "Solche Leute, solches Engagement brauchen wir", betonte Sojka, die am Dienstagabend Marcel Greunke nochmals für seine Arbeit als Gemeindeoberhaupt von Ponitz würdigte.

Während sie 25 Frauen und Männer mit der Goldenen Ehrennadel auszeichnete, würdigte Helmut Schmidt vom Vorstand der Thüringer Ehrenamtsstiftung fünf weitere Gäste mit dem Ehrenamtszertifikat. Und Schmidt machte aus seinem großen Respekt vor all diesen Engagierten keinen Hehl an diesem Abend. Er dankte ihnen aus tiefstem Herzen. Er überschüttete sie förmlich mit Dank und ganz viel Lob und hielt zugleich ein leidenschaftliches Plädoyer dafür. "Denn", so Schmidt, "im Leben eines Ehrenamtlichen kommt unheimlich viel vor. Aber am allerwenigsten Lob für sein Engagement." Wobei Schmidt - nicht als Mitglied des Stiftungsvorstandes, wie er betonte - mit gutem Beispiel voran ging am Dienstagabend. Als er die Laudatio für Annette Hoffmann verlesen hatte, die sich unter anderem um die Kinder von Flüchtlingen und Asylbewerbern in Schmölln kümmert, mit ihnen lernt und bastelt und für ihre Eltern Deutschunterricht organisiert, zückte Helmut Schmidt spontan seine Geldbörse, um 500 Euro für die Arbeit dieser Frau und des Netzwerkes für Integration und Migration zu spenden.

Eine Geste, die das verblüfft dreinschauende Publikum zunächst sprachlos machte im Landschaftssaal, die dann aber umso lauter bejubelt wurde.

Katrin Müller, Chefin des Schmöllner Schwimmvereines "Seeteufel", fasste die Motivation all dieser geehrten Frauen und Männer dann so zusammen am Dienstagabend: "Ehrenamt ist eine Leidenschaft, die man in sich trägt."

Quelle: "Ostthüringer Zeitung" / Jana Borath / 16.10.14

 

 

Jana Borath kommentiert zu Ehrenamtswürdigung

Am Dienstagabend gab es mal kein Hauen und Stechen im Landschaftssaal und keinen politischen Wettstreit, welche Kreistagsfraktion nun recht hat in einer Debatte. Und es gab keinen Zank ums Geld und darum, warum die Euros in der Kreiskasse hinten und vorne nicht reichen. Vielmehr ging es um all die, die mitunter aus nichts ganz viel machen. Ja, eine ganze Welt sein können mitunter. So wie Spediteur Udo Teichmann aus Zehma, der seit vielen Jahren seine Laster mit Hilfsgütern belädt und sie eigenhändig nach Rumänien fährt. Oder wie Annette Hoffmann, die in Schmölln mit Flüchtlingskindern bastelt und spielt und Deutschunterricht anbietet. Oder wie Dieter Junghanns aus Posterstein, der sich um seine älteren Nachbarn kümmert, für sie einkaufen geht, bei Behördengängen oder Arztbesuchen hilft. Sie und alle anderen Ehrenamtlichen in den über 800 Vereinen im Altenburger Land geben so viel und oftmals das wenige, worauf es im Miteinander tatsächlich ankommt: Wärme, Geborgenheit, Zuhören können, Menschlichkeit, da sein für jemanden. Schön, dass es sie alle gibt für uns im Altenburger Land. Und Danke dafür.