Ehrenamtsforum will die Kultur des Helfens stärken

11.10.2012 16:10

1. Erfurter Ehrenamtsforum fand im Rathaus statt. In der Stadt sind 1725 Vereine aktiv.

Birgit Kummer / 11.10.12 / TA


Was würde passieren, wenn die 700.000 ehrenamtlich tätigen Menschen in Thüringen ihre Ämter niederlegten? Das fragte Brigitte Manke, Geschäftsführerin der Thüringer Ehrenamtsstiftung, am Dienstag im Rathaus, als sie das 1. Ehrenamtsforum eröffnete. "Es wäre, als ob Strom und Licht ausfielen."

Zu dem Treffen, das dem Erfahrungsaustausch und der Ermutigung dienen sollte, hatte der Ehrenamtsbeauftragte Frank Schalles eingeladen. In Erfurt gibt es 1725 Vereine. Die meisten Ehrenamtler finden sich im Sportbereich, es folgen Kultur und Bildung, Soziales, Seniorenarbeit. Wichtig sei eine auf Dauer angelegte Förderung durch den Freistaat und eine Entbürokratisierung, so Manke. Verwaltung und Politik müssten das Ehrenamt endlich als zentrale Arbeitsfelder sehen.

"Ich habe das Gefühl, dass das Ehrenamt sehr strapaziert wird und dass es sich die Gesellschaft zu einfach macht", sagte Barbara Schumann vom Schutzbund der Senioren. Die Verantwortung gehe vom Bund über das Land an die Kommunen. Doch Ehrenamt sei nicht selbstverständlich. "Das sind besondere Menschen. Sie spenden Zeit, Kraft und Geld."

Viele hätten gleich mehrere Ehrenämter inne, verwies sie auf Seniortrainer oder Lesementoren. Wichtig sei, Jüngere für Ehrenämter zu interessieren. "Unsere Selbsthilfegruppen sind überaltert." Alle Generationen müssten zusammenarbeiten. "Ehrenamt soll Spaß und Sinn machen und Gemeinschaft erzeugen", sagte Stephan Zänker, Projektleiter der Freiwilligenagentur Erfurt. Es gebe einen Mangel an Strukturen, nicht an Menschen, die ehrenamtlich etwas tun wollen.

Ein Beispiel seien die "orange-blauen Engel". Menschen, die aus Zeitgründen nicht regelmäßig aktiv sein können, aber als "Feuerwehr" für viele Anlässe, zum Beispiel Straßenfeste, bereitstünden. Vereine würden viel zu selten auf dieses Angebot zugreifen, verwies er auf die Internetseite der Agentur.

Über Fördertöpfe sprach Klaus Michael Wiegand, ehrenamtlicher Beigeordneter. Früher sei die Förderung ressortbezogen erfolgt und habe viel Bürokratie bedeutet. Die Entscheidung über die Mittelvergabe sei erst spät getroffen worden. Jetzt setze der Ehrenamtsbeirat die Schwerpunkte, Bescheide habe es bereits Ende Juli gegeben. Er verwies auf 94 Antragsteller und insgesamt 82 886 Euro Fördergelder.

Torsten Haß stellte die Ehrenamtsakademie an der Volkshochschule vor. Diskutiert wurde im Rathaus auch über Räume für Vereine, ebenso über eine dringend nötige Vernetzung. Die Vereine müssten mehr voneinander erfahren, damit nicht Angebote parallel liefen, regte eine Vertreterin der ökumenischen Telefonseelsorge an.
"Dieses Forum sollte keine Eintagsfliege bleiben." Stephan Zänker bekam für diesen Satz große Zustimmung.