Thüringer des Monats März

29.03.2019 13:04

Peter Dittmann und Heiko Kupke aus Sömmerda sind unsere Thüringer des Monats März.

Seit mehreren Jahren engagieren sich die Beiden für die Gewaltprävention an Sömmerdaer Schulen und vermitteln den Mädchen und jungen wichtige Tipps und Fertigkeiten für das Verhalten in gefährlichen Situationen. Die beiden Männer sind Mitte 40, hauptberuflich leitende Mitarbeiter bei der Sparkasse Mittelthüringen und im Ehrenamt Ju-Jutsu-Trainer im Polizeisportverein Sömmerda. Ju-Jutsu bedeutet übersetzt „sanfte Kunst“ und ist die Lehre unterschiedlichster Selbstverteidigungstechniken. Die Verbindung zur Schule kam dann eher ganz familiär: Heiko Kupkes Frau hatte als Sozialarbeiterin an der Sömmerdaer Salzmann-Schule angefragt, ob der Verein ein Projekt zum Thema Gewaltprävention organisieren könnte. Das war im Jahr 2013. Ganz passend dazu hat der deutsche Ju-Jutsu-Verband ein solches Projekt seit mehr als zehn Jahren deutschlandweit im Angebot – es heißt „Nicht mit mir“. Heiko Kupke, Peter Dittmann und zwei weitere Vereinsmitglieder haben sich als lizensierte Kursleiter dafür ausbilden lassen und sind seitdem regelmäßig an Sömmerdaer Schulen aktiv.

Mit Kindern arbeiten, Kindern ein sicheres Lebensgefühl geben – das ist eine gute Sache“, sagt Heiko Kupke. In den fünften und sechsten Klassen vermitteln sie den Mädchen und Jungen Grundkenntnisse und Fertigkeiten nach einem Ampelsystem, das neben der Prävention (grün) noch die Stufen Selbstbehauptung (gelb) und Selbstverteidigung (rot) umfasst. Laut und deutlich „nein“ sagen können ist dabei der erste Schritt. Und dann so laut wie möglich „Hilfe! Lassen Sie mich in Ruhe“ schreien, wenn ein Unbekannter ein Kind bedroht. Das lernen die Schüler – zum Beispiel auch am Albert-Schweitzer-Gymnasium – in verschiedenen Spielszenen. Für den Ernstfall lernen sie noch Techniken, die weh tun, um sich aus einem klammernden Griff befreien und fliehen zu können: mit der flachen Hand gegen die Nase drücken oder gegen das Schienbein des Angreifers treten… Die Angreifer sind in diesem Fall die Trainer und müssen mitunter selbst den Schmerz erleiden. Peter Dittmann möchte den Kindern unbedingt diese Dinge mit auf den Weg geben: „Seid stark, seid nicht ängstlich, tretet selbstbewusst auf und geht respektvoll und fair miteinander um – dann braucht ihr diese Techniken vielleicht gar nicht.“

Peter Dittmann und Heiko Kupke geben die Kurse an den Schulen tagsüber – und arbeiten die Zeit dafür nach, das versteht sich bei einem ehrenamtlichen Projekt. Ganz ohne finanzielle Unterstützung kommen sie dabei nicht aus. Unterrichtsmaterialien müssen angeschafft und erneuert werden, die Schüler erhalten zum Kurs Begleithefte und immer mal wieder ist eine Trainerausbildung notwendig. Neben der Zeit, die die Trainer investieren sind das etwa 600 Euro pro Kurs. Damit ist für Peter Dittmann und Heiko Kupke auch sofort klar, wie sie die 500 Euro Preisgeld vom MDR als „Thüringer des Monats“ investieren wollen. Denn eines steht genauso fest: die Kurse sind für die Kinder und ihre Eltern kostenlos und sollen das auch bleiben. Sonst wäre für manche die Teilnahme aus finanziellen Gründen nicht möglich. Dass diese Kurse in Sömmerda in das soziale Lernen an den Schulen integriert sind, das ist in Thüringen bisher noch einmalig, sagt Heiko Kupke. Er wünscht sich deshalb viele Nachahmer und Freiwillige, die die Ausbildung als zertifizierte Kursleiter absolvieren wollen. Das wäre auch ganz im Sinne des Sömmerdaer Landrates Harald Hennig. Er hat das Projekt vor fünf Jahren kennengelernt und war sofort begeistert. Deshalb möchte er es gern auf den ganzen Landkreis ausdehnen.