Thüringer des Monats Juli

31.07.2015 11:45

Unser Thüringer des Monats Juli ist Johannes Pingel aus Burgwalde. Der 23-Jährige Eichsfelder war damals gerade in Nepal als freiwilliger Helfer in einem Heim für Straßenkinder in der Hauptstadt Kathmandu, als am 25. April dieses Jahres die Erde bebte. Nach dem Erdbeben ist Johannes in Nepal geblieben, um beim Wiederaufbau zu helfen.

Foto: mdr

Johannes Pingel war bereits seit Mitte März in der Hauptstadt Kathmandu. Der sportliche und abenteuerlustige junge Mann hatte vor Beginn seines Fachabiturs für Soziales und Gesundheit noch eine Herausforderung gesucht. Und so half er als Freiwilliger in der Nichtregierungsorganisation (NGO) Himalayan Foundation Nepal in einem Waisenhaus für Straßenkinder. Er gestaltete den Alltag im Heim mit, brachte die Kinder zur Schule, lernte mit ihnen und half ihnen bei den Hausaufgaben. Und er spielte gern mit ihnen Fußball oder Basketball.


Dann kam der 25. April - der Tag des schweren Bebens. Johannes war gerade in der Region Lukla, rund 200 Kilometer von der Hauptstadt entfernt, auf einer Trekkingtour. Nach dem ersten Schreck merkte er schnell, dass er die Region tagelang nicht verlassen können wird. Er dachte an die Kinder in Kathmandu: Wie geht es ihnen und wie kann ich helfen? Nach rund einer Woche kam Johannes Pingel wieder in die Hauptstadt, sah, dass die Kinder wohlauf waren und half beim Beseitigen der Schäden am Heim. Das Haus mit stabilen Betonwänden hatte das Beben einigermaßen gut überstanden.
Johannes hörte aber vom Schicksal der vielen Menschen in den kleinen Bergdörfern, deren Häuser weitgehend zerstört waren. Deshalb machte er sich zusammen mit anderen Freiwilligen auf den beschwerlichen Weg dorthin über schmale und gefährliche Bergstraßen. Schnell mussten für die Menschen, deren Hab und Gut zerstört war, neue Unterkünfte gebaut werden. Denn der Monsun, die Regenzeit, stand vor der Tür. Das Beste ist hier Hilfe zur Selbsthilfe, das wussten die Freiwilligen. Sie zeigten den Dorfbewohnern, wie man unkompliziert Bambushäuser bauen kann. "Wir bauten in einem Dorf zwei Häuser auf", erzählt Johannes Pingel, "und als wir nach einer Woche wiederkamen, standen dort schon 15 bis 18 solcher Häuser. Wir mussten nur noch die Wellblechdächer montieren."
Ein Teil des Geldes dafür kam aus der Heimat. Denn bei der traditionellen Brink-Wallfahrt hatten die Burgwalder und ihre Gäste rund 3.300 Euro für die Menschen in Nepal gespendet. Das war fünf Mal so viel wie die Kollekte in anderen Jahren. Bürgermeister Rainer Lott sagt, das war für einen so kleinen Ort sehr emotional und eine sehr gute Sache. Auch Johannes Pingel war überwältigt von der großen Summe und wusste sofort, wo das Geld am meisten hilft: 1.000 Euro bekamen die Straßenkinder in Kathmandu, den größeren Teil verwendete er für die Menschen in den Bergdörfern, um Lebensmittel und den Bau der Bambushäuser zu finanzieren.

Noch einmal weit mehr als 2.000 Euro kamen an Spenden zusammen, um die der für die Gemeinde Burgwalde zuständige Pater Karl Josef Mayer anlässlich seines Geburtstages gebeten hatte. Auch hier wird Johannes Pingel für die zielgerichtete Verwendung in Nepal sorgen. Unter anderem unterstützt er noch ein weiteres Projekt zum Wiederaufbau von Schulen. Und im kommenden Jahr will unser Thüringer des Monats unbedingt noch einmal nach Nepal fliegen. Er will sehen, wie es den Straßenkindern im Waisenhaus von Kathmandu geht und er will seinen begonnenen Weg beenden, den Trekkingweg hoch in die Berge nach Gokyo.