Thüringerin des Monats August: Erika Schirmer

01.09.2014 09:01

88-jährige Nordhäuserin setzt sich für die Freundschaft zwischen Deutschen und Polen ein

Die kleine, immer bescheiden auftretende Frau hat Großes geleistet. Sie setzt sich für die Freundschaft zwischen Deutschen und Polen ein, obwohl das nach ihrer Biografie alles andere als selbstverständlich ist.

 

Ende des zweiten Weltkrieges kommt die heute 88-Jährige gemeinsam mit ihrer Mutter aus der schlesischen Heimat nach Nordhausen. Eine Stadt in Trümmern haben sie verlassen. Hunger, Kälte und Not warten auf sie in der von Bomben zerstörten Stadt im Südharz. „Das war beides sehr ähnlich“, sagt Erika Schirmer. Sie sieht Menschen beim Wiederaufbau zupacken, darf mithelfen und ist froh darüber. „So habe ich meine neue Heimat lieben gelernt“, erinnert sie sich.

 

Sie liebt die deutsche Sprache, schreibt Gedichte, Texte und Lieder. Unter dem Eindruck eines Plakats mit der berühmten Taube von Picasso entsteht 1948 die „Kleine weiße Friedenstaube“, ein Lied, das in den folgenden Jahren weit über die Grenzen der ehemaligen DDR hinaus bekannt wird. Erika Schirmer engagiert sich für Kinder, wird Kindergärtnerin und später nach einen erfolgreichen Studium Lehrerin für Deutsch und Kunst. Als Sonderpädagogin betreut und unterrichtet sie 16 Jahre lang behinderte Kinder. Für sie entwirft sie eine spezielle Fibel mit Texten, Liedern und Spielen. Viele dieser Menschen sind ihr noch heute dankbar.

 

Erika Schirmers künstlerisches Talent gilt auch den Scherenschnitten. Schon frühzeitig gestaltet sie Kalender, die auch ins Ausland verkauft werden. Und ihre Werke gehen in Ausstellungen auf Reisen. Auch ihre ehemalige Schule in der früheren Heimatstadt Czerwiensk, an der Oder, in Polen, wird damit geschmückt. Erika Schirmer ist von dem Anblick bei einem Besuch überwältigt. Eine innige Freundschaft entsteht. Die Verbindung zu Polen ist für sie das Beste, sagt Erika Schirmer heute. Eine Ausstellung mit Scherenschnitten zu Grimms Märchen reist dort inzwischen von Stadt zu Stadt.

 

Für Nordhausens Oberbürgermeister Klaus Zeh ist Erika Schirmer eine „Brückenbauerin“ für diese Freundschaft zwischen beiden Ländern. Sie ist Ehrenbürgerin von Nordhausen und von ihrer polnischen Heimatstadt Czerwiensk. In Nordhausen kann sie davon viel erzählen, in ihrem Seniorenkreis und auch in Lesungen und Gesprächsrunden in Kindergärten und Schulen. Die Arbeit mit Kindern liebt sie. „Sie ist für die Seele gut.“

 

Zur Auszeichnung als „Thüringerin des Monats“ wird die engagierte Frau von vielen Freunden beglückwünscht. Dass sie diese vielen Freunde hat, darüber ist sie froh und dankbar, sagt sie. Und für das kommende Jahr hat sie auch schon einen Herzenswunsch: eine Ausstellung in Nordhausen mit Scherenschnitten zum Gedenken an den Atombombenabwurf von Hiroshima, der sich dann zum 75. Mal jährt.