Thüringer des Monats September

30.09.2015 09:45

Thüringer des Monats September 2015 ist Georg „Orge“ Zurawski aus Beulbar im Saale-Holzland-Kreis.

Bild: mdr

Er ist ein Multitalent, hat etwas in der Region Einzigartiges geschaffen und ist dafür über Thüringens Grenzen hinaus bekannt und beliebt. Der kleine Ort Beulbar hat ein eigenes Theater, in dem sich an Sommerabenden bis zu 300 kulturbegeisterte Menschen treffen und wo selbst so namhafte Künstler wie Barbara Thalheim und Gunther Emmerlich gern auftreten und musizieren. Der Sänger, Schauspieler und Geschichtenerzähler „Orge“ Zurawski hat sich damit einen Traum erfüllt. Dreizehn Jahre lang hat er dafür auf dem Grundstück seines Elternhauses immer wieder selbst Hand angelegt: mit Schaufel und Muskelkraft hunderte Kubikmeter Erde abgetragen, das Gelände mit Hilfe alter Bahnschwellen trassiert, eine kleine Bühne gebaut und alles mit viel Liebe zum Detail ausgestaltet. Er ist ein „Marathon-Mann“, sagt er über sich selbst. Und: „Bei mir trifft sich der Handwerker und der Poet.“ Treffender kann man „Orge“ Zurawski nicht beschreiben.
Eine Name für dieses Kleinod im Wiesengrund war auch schnell gefunden: Ein Freund sagte bei einem Besuch: „Du baust ja ein Amphitheater.“ – Da liefen gerade die Kühe über die benachbarte Weide. Seitdem ist es das „AmViehTheater“ zu Beulbar.
Mit dem Ort ist der heute 77-Jährige, der aus einer musikalischen Berliner Familie stammt, seit der Kindheit verbunden. Hierher hatte es die Familie nach dem Krieg verschlagen. Noch kaum ein richtiges Dach überm Kopf, hat er mit seiner Mutter und seinen sieben Geschwistern am ersten Weihnachtsabend 1945 auf der Bühne gestanden und musiziert. Den Bauern in Beulbar gefiel das. Sie halfen der Familie heimisch zu werden und ein Haus zu bauen. – In dem lebt „Orge“ Zurawski noch heute, ohne Fernseher und Internet. Er liebt es, an den Abenden von der Terrasse über Wiesen und Feld auf den Wald zu schauen und die Schwalben beim Spiel zu beobachten. Dabei hat er auch immer sein „AmViehTheater“ unterhalb des großen Apfelbaums im Blick. Genau wie das Programm für’s nächste Jahr. Der Spielplan steht bereits.
Sein Freund, der Liedermacher Wilfried Mengs aus dem nicht weit entfernten Etzdorf, schätzt an ihm besonders seine starke Persönlichkeit und den „eisernen Willen, Dinge durchzuziehen“. Mit ihm und an ihm sei er gewachsen und habe erfahren, dass man Lieder und Texte auch Leben kann und dass sie dadurch erst eine richtige Emotion bekommen.
„Orge“ Zurawski selbst will jetzt, da sein Theater nahezu vollendet ist, noch einmal etwas Neues beginnen. Er will im kommenden Jahr „durch die Lande ziehen“, zusammen mit zwei Freunden und dem liebevoll restaurierten „Leierkasten“ seines Großvaters Orje. „Das ist mein neues Leben, ja!“ sagt er und lächelt verschmitzt.