Im Osten was Neues?

08.11.2007 09:25

Fachtag der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen

 

Engagementförderung im ländlichen Raum

 

am 23. November 2007

10 bis 16 Uhr in Magdeburg

Am 23. November 2007 diskutierten Experten und Interessierte im sachsen-anhaltinischen Sozialministerium Fragen zur Stärkung zivilgesellschaftlicher Strukturen.

"Die Engagementförderung im ländlichen Raum stand im Mittelpunkt der Tagung" erklärte Kerstin Brandhorst. Als Geschäftsführerin der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen wies sie auf die besonderen Potenziale von Freiwilligenagenturen hin. Sie seien dazu bereit und in der Lage, neue Wege zu gehen und unterschiedliche lokale Organisationen und Initiativen an der Umsetzung zu beteiligen.

Einigkeit bestand zwischen den Veranstaltern, dass Möglichkeiten zur Mitgestaltung und Eigeninitiative noch nicht voll ausgeschöpft werden. So zeige der Freiwilligensurvey, dass der Anteil freiwillig Engagierter in Ostdeutschland kontinuierlich, aber auch regional unterschiedlich ansteige und zudem noch immer geringer als in den westdeutschen Ländern ist. Die Ergebnisse der Untersuchung machen jedoch eines deutlich: Für die Ausweitung des längerfristigen bürgerschaftlichen Engagements bestehen gute Voraussetzungen. Vorhandene Potenziale müssen erkannt, Chancen gemeinsam genutzt und neuen Formen des bürgerschaftlichen Engagements Gestaltungsräume und Gelegenheitsstrukturen gegeben werden, betonte Christoph Linzbach, Leiter des Arbeitsstabes "Wohlfahrtspflege / Bürgerschaftliches Engagement" im Bundesfamilienministerium. Er wies auf das Programm des Bundesfamilienministeriums "Miteinander - Füreinander" hin, welches mit einem eigenen Schwerpunkt das freiwillige Engagement in Ostdeutschland auch mit Freiwilligenagenturen weiterentwickeln will.

Staatssekretärin Prof. Dr. Christiane Dienel, Sozialministerium Sachsen-Anhalt ergänzte, dass gute Beispiele von Kommunen bekannt sind, in denen einzelne Engagierte ihre Mitbürger zum Mitmachen anregen konnten und dabei neben hoher Lebensqualität meist auch arbeitsplatzschaffende  Unternehmen angezogen und Familien eine Perspektive geboten haben.

Dr. Hans-Liudger Dienel vom nexus-Institut Berlin machte deutlich, welche Potenziale Bürgerinnen und Bürger in ihren Heimatorten entwickeln können und vertrat die These, dass bürgerschaftliches Engagement von vielen Aktiven im Osten auch als ein Weg zur beruflichen Qualifizierung und damit in den ersten Arbeitsmarkt gesehen wird.
In Arbeitsgruppen wurde vertieft, dass die Existenz von Mehrgenerationenhäusern und Bürgerstiftungen Ausgangspunkt für die Entwicklung von freiwilligem Engagement sind. Insbesondere an örtlichen Freiwilligenagenturen und ihrem Konzept der Ehrenamtslotsen waren die Teilnehmenden interessiert, weil von dort aus Initiativen im ländlichen Raum künftig gestärkt werden sollen. Dabei müssen insbesondere an den Bedürfnissen und Interessen junger Menschen orientierte Projekte aufgebaut und unterstützt werden, um Jugendlichen eine Bleibeperspektive zu geben.

Abschließend betonten der Regierungssprecher Brandenburgs, Thomas Braune sowie der Staatssekretär des Landwirtschaftsministeriums in Magdeburg die Bereitschaft, die Idee der Engagementförderung in den ländlichen Raum zu tragen und das Entstehen von örtlichen Freiwilligenagenturen anzuregen. Dr. Schmidt vom Bundesverkehrsministerium sah darin eine Entwicklungschance für die vorwiegend ländlich geprägten Räume der neuen Bundesländer.

Kooperationspartner und Unterstützer des Fachtages waren das Bundesfamilienministerium, die Bundesländer Sachsen-Anhalt und Brandenburg, die Thüringer Ehrenamtsstiftung, die Stiftung Demokratische Jugend sowie die Landesarbeitsgemeinschaften der Freiwilligenagenturen Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Sachsen.