Thüringerin des Monats Dezember 2012

07.12.2012 08:55

Ilse Neumeister aus Erfurt ist unsere Thüringerin des Monats Dezember 2012.

Die engagierte Christin leitet seit 21 Jahren die Erfurter „Klosterrunde“. Zu dem Gesprächskreis, den Ilse Neumeister kurz nach der Wende ins Leben gerufen hatte, treffen sich wöchentlich zwischen 20 und 40 Frauen in einem Raum des Augustinerklosters. „Die erste Arbeitslosenwelle drohte“, erzählt die 80-Jährige aus der schwierigen Zeit. Wir haben überlegt: „Kirche muss doch etwas anbieten, vor allem für Frauen, die keiner Kirchgemeinde angehören, zu Hause sitzen und weinen.“ Weil eine Zusammenarbeit mit dem Erfurter Frauenzentrum nicht zustande kam, freute sich die zunächst kleine Runde über den Vorschlag von Propst Heino Falcke, im  Augustinerkloster einen Raum nutzen zu können.  „Wir können keine Arbeitsplätze schaffen, aber wir können sprechen. Es kann jeder kommen. Es muss keiner beten.“ – So lautete die Einladung damals. Zum Gesprächskreis kommen seitdem viele Frauen, die keiner Kirche angehören. Die Gespräche sind für sie Lebenshilfe genau so wie der Austausch über tagesaktuelle, kulturelle und auch kirchliche Themen. Die Frauen haben in der Runde Halt gefunden und einen Ort des geselligen Beisammenseins. Ilse Neumeister lädt dazu regelmäßig ehrenamtliche Referenten ein, organisiert Ausflüge und natürlich wird in der Runde auch gemeinsam Geburtstag gefeiert. Der Kurator des Augustinerklosters, Lothar Schmelz, freut sich darüber, die Runde der Frauen regelmäßig zu Gast zu haben. An Ilse Neumeister schätzt er besonders ihre Vitalität und ihre Offenheit. „Man kann sich mit ihr wunderbar streiten, um der Sache Willen,“ sagt er.

Ilse Neumeisters Engagement geht weit über die „Klosterrunde“ hinaus. Schon 1978 organisierte sie im Advent die ersten Friedensgebete in Erfurt. Anlass war der in diesem Jahr in DDR-Schulen eingeführte Wehrunterricht. Und die evangelische Christin wirbt stets für die Ökumene und für ein gutes Verhältnis zur jüdischen Gemeinde in Erfurt.

„Das geht auf meine Kindheit und Jugend zurück“, erzählt sie. Nach dem Krieg hatte sie in einer Zeitung das Foto eines amerikanischen Soldaten gesehen, der bei der Befreiung des KZ Buchenwald einen kleinen Jungen in den Armen hielt. 50 Jahre später lernte sie beim Gedenken an die Befreiung Buchenwalds den Oberrabbiner Meir Laub kennen – er war dieser achtjährige Junge aus Buchenwald. „Das Bild von damals lässt mich bis heute nicht los“ sagt Ilse Neumeister. Sie würde den Rabbiner gern noch einmal persönlich treffen.