Thüringer des Monats Oktober 2012

26.10.2012 13:11

Ralf Lindemann aus Heiligenstadt ist unser Thüringer des Monats Oktober 2012.

Fotos: mdr

Schon seit 27 Jahren engagiert er sich für blinde und sehbehinderte Menschen in Thüringen, obwohl er selbst kaum etwas sehen kann. Im Alter von 22 Jahren – damals noch zu DDR-Zeiten - wurde Ralf Lindemann Kreisvorsitzender des Blindenverbandes im Eichsfeld und er leitet die Kreisorganisation noch heute.

„Wenn man selbst betroffen ist, weiß man, wie wichtig Hilfe und Unterstützung ist. Und ich habe gemerkt, dass viele Menschen Hilfe und Unterstützung brauchen“, sagt der 49-Jährige gelernte Wirtschaftskaufmann. Viele Stunden täglich und auch an den Wochenenden nimmt die ehrenamtliche Arbeit für die Betreuung und Integration blinder und sehbehinderter Menschen im Eichsfeld in Anspruch. Hartnäckig muss Ralf Lindemann die Interessen der Betroffenen in zahllosen Gesprächen mit Politikern und Behörden thematisieren und durchsetzen. Auf der anderen Seite ist die einfühlsame Beratung für Menschen, die bei ihm Hilfe suchen, besonders wichtig. „Anderen Menschen zuhören, auf ihre Probleme eingehen, ihnen Mut zusprechen - das kann Ralf Lindemann“, sagt Joachim Leibiger, der Landesvorsitzende des Blinden- und Sehbehindertenverbandes Thüringen e.V. Seine Arbeit ist beispielhaft für die der anderen Kreisorganisationen und Beratungsstellen im Freistaat.

Für Ralf Lindemann ist es das größte Glück, wenn die Gespräche erfolgreich sind. „Wenn man dann sieht, dieser Mensch will wieder leben, er hat Lust und Laune und mit dem, was wir ihm angeboten haben, wo wir Unterstützung gegeben haben, kommt er zurecht - dann haben wir doch etwas ganz, ganz tolles erreicht“, sagt er. Gemeinsam mit der Leiterin der Heiligenstädter Beratungsstelle, Silke Senge, die auch seine Begleitperson ist, geht er regelmäßig in Schulen, um Mädchen und Jungen für den Alltag behinderter Menschen zu sensibilisieren. Neben den Gesprächen können sich die Schüler mit Simulationsbrillen in die Lage blinder Menschen versetzen und lernen auch eine Reihe von Hilfsmitteln kennen. Ralf Lindemann freut sich dann besonders, wenn er am Ende des Unterrichts die vor Begeisterung leuchtenden Augen der Kinder wahrnehmen kann. Er hat auch ein bundesweit einzigartiges Projekt ins Leben gerufen: blinden und sehbehinderten Menschen Urlaub im Eichsfeld zu ermöglichen und ihnen so seine Heimat näherzubringen. Dafür gibt es spezielle Führungen, Literatur und weitere Angebote, bei Bedarf auch persönliche Begleitung.

Eine Auszeichnung wie die als Thüringer des Monats ist für Ralf Lindemann immer Ansporn, weiter zu arbeiten. Eigentlich sei das, was er mache, doch selbstverständlich, sagt der groß gewachsene und trotz seiner Sehschwäche lebensfrohe 49-Jährige.