Ehrensache - Interview der TA/TLZ mit Brigitte Manke, Geschäftsführerin der Thüringer Ehrenamtsstiftung

27.07.2009 15:49

Knapp zwei Drittel aller Thüringer engagieren sich ehrenamtlich. Immer mehr von ihnen sind 70 Jahre und älter, und das ist gut, sagt Brigitte MANKE, Geschäftsführerin der Ehrenamtsstiftung.

Warum engagieren sich gerade Senioren so intensiv ehrenamtlich?
Weil sie zum einen ihr Wissen, ihre Erfahrungen weitergeben und zum anderen nicht nur zu Hause rumsitzen wollen. Die Generation, die heute aus dem Arbeitsleben ausscheidet, ist noch extrem aktiv und will das Leben und die Gesellschaft ganz bewusst mitgestalten.

Sind sie in allen Sektionen des Ehrenamtes vertreten?
Absolut, es gibt keine Senioren-Ämter, zumal die Menschen, über die wir hier reden, ohnehin nicht gerne als Senioren bezeichnet werden. Sie fühlen sich noch nicht alt und engagieren sich deshalb wie junge Leute sowohl auf sozialem als auch auf sportlichem, kulturellem oder ökologischem Gebiet.

Warum ist ehrenamtliches Engagement so wichtig, dass es dafür in Thüringen inzwischen sogar eine eigene Stiftung gibt?
Weil Menschen, die sich weitgehend ohne Bezahlung für andere engagieren, das Miteinander in den Regionen voranbringen, Werte vorleben, die eben noch nicht der schnelllebigen Zeit zum Opfer gefallen sind. Und weil diese Arbeit anerkannt werden muss, gibt es die Ehrenamtsstiftung.

Was ist deren Aufgabe?
Wir regen Projekte an, die das Ehrenamt ins öffentliche Bewusstsein rücken und anerkennen, vergeben die Thüringer Ehrenamtscard, küren den Thüringer des Monats mit oder stellen engagierten, jungen Menschen den Kompetenznachweis aus, der sie auch bei Bewerbungen weiter bringt. Und das ist nur ein kleiner Teil unserer Arbeit.

Hat Thüringen denn genug Ehrenamtliche?
Naja, genug kann ein Land nie haben, aber wir haben sehr viele. Gut 700 000 Thüringer engagieren sich ohne finanziellen Lohn in ihrer Freizeit. Das ist schon beachtlich und in den letzten Jahren sind darunter immer mehr, die schon 70 Jahre und älter sind.

Sind diese Ehrenamtlichen ein besonderer Gewinn?
Ja, weil sie nicht nur über sehr viel Wissen und Erfahrung verfügen, sondern in der Regel auch besonders geduldig und verständnisvoll sind und vor allem sind sie zeitlcih flexibel.

Senioren arbeiten in Thüringen als Grüne Damen in Krankenhäusern oder berichten Jugendlichen als schreibende Senioren vom Leben, wie es früher war. Ersetzen sie damit Lehrkräfte und Pflegepersonal?
Nein, im Gegenteil. Die Ehrenamtlichen knüpfen mit ihrer Arbeit da an, wo die professionelle Betreuung oder der Unterricht aufhört. Sie haben mehr Zeit und können einen viel engeren, persönlichen Kontakt aufbauen. Wichtig ist allerdings, dass sie selbst dabei ebenfalls professionell betreut werden.

Was heißt das genau?
Das heißt, wer Ehrenamtliche vermittelt oder in Anspruch nimmt, muss dafür sorgen, dass sie ihrer Aufgabe entsprechend weitergebildet werden und die Gelegenheit zum Austausch haben.

Wenn Sie an die Zukunft des Ehrenamtes denken, was wünschen Sie sich?
Zum einen, dass die öffentliche Wertschätzung in der Gesellschaft noch weiter steigt. Zum anderen aber auch mehr Geld, um es vernünftig zu fördern, Auch die Ehrenamtsstiftung selbst ist zum Beispiel auf Fördermittel und Spenden angewiesen.

Gespräch: Anite GRASSE