"Zeit zum Zuhören"
Finanzminister Peer Steinbrück in Weimar
Zu einem Gedankenaustausch zum "Bürgerschaftlichen Engagement" traf sich der Bundesfinanzminister am Wochenende mit engagierten Menschen aus der Region im "Weißen Schwan" in Weimar.
Mit Brigitte Manke, (Thüringer Ehrenamtsstiftung), Doris Elfert und Regina Lang (Bürgerstiftung Weimar), Michael Stolze (Thüringer Sportjugend), Annette Sickel (Weimarer Ehrenamtsagentur), Michael Hasenbeck (Max-Zöllner-Stiftung), Dr. Michael Knoche (Anna-Amalia Bibliothek) sowie Matthias Grafe (Geschäftsführer Grafe Color GmbH Blankenhain) sprach er über ihre praktischen Erfahrungen "Rund ums Ehrenamt".
Diskussionsstoff bot der gegenwärtig im Gesetzgebungsprozess befindliche "Gesetzentwurf zur weiteren Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements" - das Programm "Hilfen für Helfer". Der Minister informierte über den Stand der Diskussion in Berlin und die Grenzen des aktuell Machbaren aus seiner Sicht. Die Ehrenamtler, die einhellig die Gesetzgebungsinitiative zur Stärkung des Ehrenamts begrüßten, gaben dem Bundesminister auch einige Gedanken mit auf den Weg.
Die Verbesserung der steuerlichen Entlastung durch die Anhebung der Übungsleiterpauschale auf 2.100 € erweise sich gerade für Sportvereine im Osten als wenig zielführend, weil Trainer kaum Geld erhielten, sondernd dies "selbst mitbringen müssten". Bedenklich sei, Vereinigungen die sich dem Freizeitsport und vor allem der Heimatkunde und -pflege (z.B. Chöre, Theatergruppen) widmen, von Steuervergünstigungen auch künftig auszunehmen. Gemeinschaftliches Erleben und Identifikation mit der eigenen Region könne gerade da hilfreich sein, wo Menschen in der Vereinzelung und Perspektivlosigkeit am Rande der Gesellschaft stünden.
Die Stärkung der gemeinnützigen Stiftungen durch die Anhebung der steuerlichen Absetzbarkeit von Zuwendungen von derzeit 307.000 € auf 1 Mio. € sei ein positives Signal. Nicht nur die jungen Bürgerstiftungen in Thüringen würden sich aber heute doch eher über Zuwendungen bis 5.000 € schon sehr freuen.
Eine Unterstützung z.B. bei der Einwerbung von Zuwendungen von Privaten ("Fundraising"), etwa durch einen konkreten Ansprechpartner beim Bund und Land als "echten" Bürgerbeauftragten, eine Entbürokratisierung beim Umgang mit Finanzbehörden und der Stiftungsaufsicht der Länder, könnten nach der Ansicht der Stiftungsvertreter in der Weimarer Runde bereits erhebliche Entlastungen bringen.
Allein steuerliche Ansätze würden auch da nicht genügen, wo man versuchen müsse Menschen in schwierigen Lebenssituationen, wie insbesondere Langzeitarbeitslose, zu motivieren, sich in ihrer Gemeinde oder ihrem Stadtteil zu engagieren. Dabei gehe es nicht in erster Linie darum, vom Staat Geld für ehrenamtliches Engagement zu bekommen. Wichtig sei die Förderung einer zivilgesellschaftlichen Anerkennungskultur. Die vermehrte Vergabe von projektbezogenen Auszeichnungen und Preisen an Vereine, Verbände und Einzelpersonen, wie z.B. einzelnen Unternehmern, die sich in ihrer Region sozial engagierten, sei hier ein richtiger Weg.
In Peer Steinbrück fanden die Teilnehmer der Gesprächsrunde einen Bundesminister, der sich Zeit zum Zuhören nahm und das ist in heutiger Zeit auch schon eine Anerkennung des Ehrenamts. Es wurde angeregt, die Gesprächsrunde in zwei Jahren zu wiederholen, um über Erfahrungen und Fortschritte zu sprechen.

