Erfurt: Den Bach von Unrat befreit, Unkraut gejätet und Müll gesammelt

08.06.2015 15:37

Thüringer Allgemeine / Erfurt / 5.Juni 2015

Der siebenjährige Ben aus Urbich baute sich aus leeren Pflanzentöpfen ein Objektiv und spielte Fotograf. Zuvor hatte er die Blumen gemeinsam mit seinen Mitschülern in mehrere Pflanzsteine gesetzt. Foto: Anja Derowski

Die blauen Handschuhe sind viel zu groß, doch das macht Ben nichts aus. Der Siebenjährige setzt Blumen in große Pflanzsteine, der Schulhof soll noch schöner werden. Gemeinsam mit seiner ersten Klasse ist er beim Schülerfreiwilligentag dafür zuständig, später werden sie noch am Peterbach Müll sammeln. Jener Bach, der im vergangenen September immense Hochwasserschäden vor allem in Büßleben und Linderbach hinterließ.

„Es wird weniger Müll dort weggeschmissen als noch vor einem Jahr“, kann Ortsteilbürgermeister Peter Fitzenreiter berichten. „Die Kinder werfen weniger hinein. Den meisten Dreck machen die Erwachsenen, wenn sie beispielsweise nach einer Feier dort entlang laufen.“ Bei der Bachpflege wurden nach ersten Schätzungen 250 Kilogramm Müll gesammelt.

Mehrere Gruppen sammelten Müll von Wiesen, Gehwegen und Parkplätzen. Thüringens Bildungsministerin und Schirmherrin Birgit Klaubert hatte den Schülerfreiwilligentag, an dem thüringenweit etwa 8500 Schüler teilnehmen, an der Grundschule eröffnet. Sie nannte die Kinder Superhelden des Ehrenamtes. Auch Axel Hoppe, der Vorsitzende des Erfurter Ehrenamtsbeirates und Bürgermeister im benachbarten Windischholzhausen, betonte die Bedeutung dieser alljährlichen Aktion.

„Dieser Tag führt euch an das Ehrenamt heran. Ohne das Ehrenamt wären wir um vieles ärmer.“ So sei auch der Schulhof vor Jahren dank dem Engagement von Eltern, Lehrern und Erziehern gestaltet worden.

Am achten Schülerfreiwilligentag beteiligten sich in Erfurt 13 Schulen an acht Projektstandorten: Im Thüringer Zoopark Erfurt halfen ebenso die Kinder und Jugendlichen der Regelschule Urbich beim Grünschnitt. Im Umfeld der Krämerbrücke und der Mikwe räumten die Schüler der Grundschule 1 „Johannesschule“ auf und säuberten das Gelände der Kika-Figuren. Aber auch Pflegeheime und Kindertagesstätten waren gefragte Einsatzstellen.

Rap gegen Umweltverschmutzung
So bepflanzten die Schüler der Regelschule Kerspleben Balkonkästen im Awo-Seniorenpflegeheim Vieselbach. Und die Schüler der Grundschule „Am kleinen Herrenberg“ verschönerten das Außengelände ihres Stadtteilzentrums.

„Eigentlich“, sagt Lotte aus der fünften Klasse in Urbich, „machen wir jeden Tag Schülerfreiwilligentag.“ Sie schrieb mit Mitschülern einen Rap, ein Lied, das von Umweltverschmutzung, Atomkraftwerken und Ehrenamt erzählt.

Am gestrigen Tag waren Lotte und ihre Freundin Marlene außerdem mit Fotoapparat und Schreibblock unterwegs, um in ihrer Schülerzeitung davon zu berichten. Derweil standen vier Mitschüler – Rico, Erik, Jonas und Chris – in einem Beet neben dem Schulgebäude. „Ist Hafer Unkraut?“, fragte einer von ihnen. Antwort bekam er keine, da aber das Beet gänzlich neu bestellt werden soll, rissen sie letztlich alles aus der Erde heraus. Sie bewarfen sich mit Disteln, lachten.

Ja, sagten sie, das würde ihnen Spaß machen. Ein solcher Tag könnte öfter sein.

Anja Derowski / 05.06.15 / TA