Geschäftemacher ohne Geld
Wertvolle Geschäfte, ohne dass ein einziger Cent Geld floss, wurden Mittwochabend zu Dutzenden in den Beruflichen Schulen in Mühlhausen abgeschlossen. 30 Unternehmen und 25 gemeinnützige Einrichtungen beteiligten sich an diesem besonderen Markt für den Unstrut-HainichKreis.
Aufwendige Stände brauchte es nicht, um am Mittwochabend ein reges Markttreiben im Audimax der Beruflichen Schulen in Görmar in Gang zu bringen. Stehtische, Kugelschreiber, Blätter, um Vereinbarungen festzuhalten, und etwa Verhandlungsgeschick reichten aus, um auf dem ersten durch die Ehrenamtsstiftung organisierten Marktplatz für Unternehmen und Gemeinnützige im Landkreis gute Geschäfte abzuschließen. "Gut, weil alle Seiten etwas davon haben und weil dabei kein Geld fließt", brachte Hermann Ströbel, Vorstandsvorsitzender der Thüringer Ehrenamtsstiftung, das Prinzip auf den Punkt.
Aus Holland stamme diese Idee, berichtete Ströbel - und sie werde immer beliebter. Wenngleich es jetzt in Mühlhausen erst die vierte in Thüringen war. Das Erfolgsgeheimnis liege nicht nur im Austausch von Dienstleistungen, Wissen und Sachwerten, sondern habe auch eine soziale Komponente, weil sich Menschen begegnen, verhandeln und Netzwerke bilden.
"Manchmal arbeitet man ganz in der Nachbarschaft, weiß aber gar nicht so genau, was der andere macht und was man gegenseitig füreinander tun kann", bestätigte Jens Wolf, Geschäftsführer von GKN Sinter Metals in Bad Langensalza dieses Phänomen. Über die Behindertenwerkstätten des Diakonieverbunds Eisenach sorgt so seine Firma nun dafür, dass der evangelische Kindergarten in Langula einen neuen Holzspielplatz bekommt. Warum? "Weil wir etwas Gemeinnütziges speziell für Kinder tun wollen. Und außerdem bekommen wir ja auch eine Gegenleistung", erklärte GKN-Mitarbeiter Torsten Friedrich.
Eine solche musste sich auch Rüdiger Faupel vom Schullandheim Waldschlösschen in Mühlhausen ausdenken, werden ihm doch demnächst Arbeitskräfte von GKN bei der Anlage eines Beachvolleyballfeldes helfen. Mit einem Spieltag für die Kinder der Mitarbeiter oder einem Grillabend für die gesamte Belegschaft wird Faupel sich revanchieren.
Über 85 verschiedenste derartige Vereinbarungen in nur eineinhalb Stunden kamen so zusammen. Wer nicht recht wusste, wie er einen geeigneten Partner für sein Gesuch oder Gebot findet, dem halfen die charmanten Maklerinnen weiter, zu erkennen an ihrer Schärpe. Unterschriftsreife Verträge wurden dann noch vom Expertenteam auf rechtliche und steuerliche Tücken überprüft - und fertig waren die guten Geschäfte.
Und die werden mit dem Schlussgong des "Markttreibens" nicht beendet sein, wurden doch neue Kontakte und Ideen der Zusammenarbeit gerade erst frisch geknüpft.
Von Anke KÜHN. TA Mühlhausen 19.11.2007


