Thüringer des Monats Dezember 2009

14.12.2009 13:13

Ludwig Große aus Bad Blankenburg ist unser Thüringer des Monats Dezember. Der Oberkirchenrat im Ruhestand hat sich schon zu DDR-Zeiten über viele Jahre hinweg für aufrechten Gang, Menschenrechte und Glaubensfreiheit eingesetzt uns er tritt noch immer aktiv für die Wahrung dieser Werte ein.

Der 76-Jährige ist regelmäßig vor allem in seinem Heimat-Landkreis Saalfeld-Rudolstadt unterwegs und hält ehrenamtlich Woche für Woche Predigten in Kirchen der kleinen Orte im ehemaligen Grenzgebiet. Dort erzählt er zum Beispiel gern auch von der Partnerschaft zu einer Kirchgemeinde in Franken, die er unter großen Schwierigkeiten schon zu DDR-Zeiten aufgebaut und am Leben gehalten hat.

Geschichte bestehe immer aus vielen Einzelgeschichten und Schicksalen, sagt Ludwig Große, der sich auch im Beirat der Birthler-Behörde engagiert. Er setzt sich deshalb für eine differenzierte Aufarbeitung der deutsch-deutschen Geschichte ein und ruft bei vielen Veranstaltungen zum Jubiläum der friedlichen Revolution dazu auf, dass jeder seine eigene Geschichte weitererzählt. Kinder und Enkelkinder sollten auf diese Weise erfahren, wie es wirklich war vor zwanzig, dreißig oder vierzig Jahren.

Sehr viele, die damals in der DDR geblieben waren und nicht flüchteten, seien deshalb trotzdem nicht "angepasst" und auch nicht feige gewesen, sagt Ludwig Große. Sie hätten sich täglich dafür engagiert, dass sich etwas ändere und sich immer wieder mit viel Kraft gegen Willkür des Staates gestemmt und damit auch den viel zitierten aufrechten Gang bewiesen. Klischees machten ihn zornig, sagt der Kirchenmann. Und: seine Weggefährten aus Saalfeld und Umgebung und er hätten ihre Kraft immer neu aus dem christlichen Glauben geschöpft.

"Sehr viele, die damals in der DDR geblieben waren und nicht flüchteten, waren deshalb trotzdem nicht angepasst und auch nicht feige"

Ludwig Große

"Viele waren und sind Helden des Alltags", sagt Ludwig Große. Deshalb meint er auch, "Thüringer des Monats" müssten mit ihm viel andere Thüringer sein, die sich und ihren Idealen aus der Zeit der friedlichen Revolution bis heute treu geblieben sind. Dazu gehöre auch seine Frau Ursula, ohne die gar nichts geht, wie er sagt. Sie ist eine Ärztin im Ruhestand, die seit Jahren mit ihrem Verein dafür arbeitet, dass das Freibad in Bad Blankenburg gerettet wird.