Thüringer des Monats August

31.08.2015 11:22

Immer mehr Ehrenamtliche engagieren sich dafür, dass sich Flüchtlinge in Thüringen willkommen fühlen. Claudia Poser-Ben Kahla aus Korbußen ist eine von ihnen und wurde daher als Thüringerin des Monats ausgezeichnet - stellvertretend für den im April gegründeten Verein "Akzeptanz!" in Gera.

Claudia Poser-Ben Kahla ist Vorsitzende des Vereins "Akzeptanz!" in Gera.

Claudia Poser-Ben Kahla aus Korbußen ist unsere Thüringerin des Monats August. Auf ihre Initiative ist im Frühjahr in Gera der Verein "Akzeptanz!" entstanden, der Flüchtlingen in ihrer neuen Heimat helfen will, und den sie selbst leitet.

Schon seit vielen Jahren ist Claudia Poser-Ben Kahla in der Flüchtlingshilfe aktiv, sie hatte überdies mehr als zehn Jahre die UNICEF-Gruppe Gera geleitet. Gemeinsam mit ihrem Mann hat die Mutter einer Tochter eine kleine Medienproduktionsfirma, die sich auf die arabischen Länder spezialisiert hat. Durch die Arbeit lernte sie im vergangenen Jahr ein überfülltes Flüchtlingslager in Jordanien persönlich kennen. Im Angesicht des vielfachen Leids fragte sich Claudia Poser-Ben Kahla, wie es eigentlich um die Willkommenskultur in Deutschland steht - und ahnte, dass man da noch einiges besser machen kann. Die Idee für einen Verein war geboren, der das in der Stadt Gera bereits vorhandene Engagement bündelt und vernetzt.

17 Mitglieder hatte der Verein "Akzeptanz!" zu seiner Gründung im April dieses Jahres, inzwischen sind es rund 30. Sie betreuen Flüchtlinge, die vor allem aus Syrien, dem Irak und aus Afghanistan kommen, aber auch aus Somalia, Tschetschenien und vereinzelt aus den Ländern des West-Balkan. Diesen Menschen, die in der Heimat meist alles verloren haben und nach gefährlicher Flucht nun ein neues Leben beginnen, will der Verein etwas Herzenswärme bieten - und vor allen Dingen Hilfe zur Selbsthilfe im Alltag. Das beginnt natürlich mit Sprachbarrieren und so ist es sehr hilfreich, dass einige Vereinsmitglieder sehr gut Arabisch, Englisch, Französisch, Russisch und auch einige afrikanische Dialekte sprechen. So können die Sorgen und Probleme der Flüchtlinge am besten analysiert werden. Sie erhalten Unterstützung beim Deutsch lernen, beim Ausfüllen von Formularen oder bei Behördengängen. Der Verein sammelt und verteilt auch Kleiderspenden sowie Fahrräder, die die Geraer für die Flüchtlinge zur Verfügung gestellt haben.

Claudia Poser-Ben Kahla ist stolz auf ihre Vereinsmitglieder. "Wir sind ein sehr gutes Team", sagt sie. Die Ehrenamtliche weiß, dass sie sich jederzeit auf ihre Mitstreiter verlassen kann. Das bestätigt auch die Sozialdezernentin der Stadt Gera, Sandra Schöneich. Dem Verein sei es gelungen, eine Lücke in den bereits vorhandenen Angeboten der Stadt zu schließen. Das zeige beeindruckend, was gelingen kann, wenn viele Menschen ihre Kräfte bündeln.

Etwas Besonderes ist der Treffpunkt, der mit dem "Café Akzeptanz!" in Gera entstanden ist. Dort treffen sich alle 14 Tage Menschen aus allen Himmelsrichtungen nicht nur zu Gesprächen, sondern auch zum gemeinsamen Kochen oder zum Tanz. Bisher war das Café beim SOS-Kinderdorf zu Gast, im September will der Verein ein neues Domizil beziehen.